März 2009 - noch 6 Wochen bis zum Start

nun wird es Ernst, am Sonntag 01.März habe ich meinen Rucksack gepackt. Nein, es ist noch nicht alles drin, Kleinigkeiten wie eine kleine Geldbörse, Sonnencreme, Tape fehlen noch. Auch ist er immer noch zu schwer, knapp 8kg sind es geworden. Für die nächsten Probewanderungen hier in der Umgebung habe ich etwas raus genommen, so dass ich erst mal mit 6kg trainieren werde.

Wir waren dann am Sonntag 10km unterwegs, bei sonnigem Wetter, schließlich hatte der meteorologische Frühling begonnen, dass reichte mir aber auch für den Anfang. Nun stehen Gymnastik, Kräftigung und Wandern auf dem Vorbereitungsplan für die nächsten 6 Wochen. Meine Fahrkarten, Busreservierungen in Spanien, alles erledigt. Auch das Jakobswegpuzzle, ein Weihnachtsgeschenck ist fertig. Der Reiseführer gekauft und die Uploads vom Verlag eingebessert.  Im Internet-Forum haben sich schon einige Mitpilger für den Zeitraum ab Mitte April geoutet, mal schauen wen ich treffe und erkenne. Jedenfalls wird mein Elch, von Tasja, Simon, Arne und Marie, aus der Rucksacktasche immer ein offenes Ohr und Auge haben.  

meine Fahrkarten sind angekommen und der SWR3 Elch aus Neuwied geht mit

 

 

08.03.2009

Wieder Sonntag - wieder Training. Es nieselt, also kann ich den Regenponcho probe tragen überm Rucksack. Bei 10 Grad wird es ähnlich sein, wie ich es mir in Spanien auf den ersten Etappen vorstelle. Michael nimmt mich auf seinem Weg zum Kiesertraining ein Stück im Auto mit, so spare ich ca 3,5km durch die Felder und kann gleich am Rhein gehen. Meine Route heute Alter Zoll - Poppeldorf - Venusberg und über Ippendorf und Kreuzkirche zurück. So komme ich mit meinen Trekkingstöcken auch mal bergauf und bergab. Zwischendurch klart es auf, ja manchmal schaut sogar die Sonne raus bei 9Grad und wenig Wind, dann nieselt es wieder. Ich habe also ausreichend Gelegenheit, eine Methode aus dem Pilgerforum zu testen, die ich sehr interessant fand: Regenponcho vorne aufrollen, über den Kopf nach hinten ablegen, spart das komplette Ausziehen (und anziehen beim nächsten Schauer). Klappt prima und man lüftet ein wenig, Kann eh (noch) nicht sagen, dass ich unter dem Poncho geschwitzt hätte. Unterwegs kamen mir einige Lieder von Udo Jürgens in den Sinn, "mit 66 Jahren" weil Elke heute am Weltfrauentag 66 wird und "ich war noch niemals in New York", besonders die Stelle: "Ich war noch niemals wirklich frei", warum habe ich nicht ergründet.  Nach 2 1/2 Stunden und 12km habe ich mich von Michael wieder abholen lassen, dieser Service fällt später wohl weg, wollte aber doch gemütlich Cappu trinken zu Hause. Eigentlich müsste ich dann ja noch mal raus. Aber eben nur eigentlich.

Jakobsmuscheln werden geschenkt; meine kleine ist aus dem Meer am Lido und der Pilgeranhänger von Petra

 

 

22.03.2009 noch 3 Wochen

Rucksack packen steht an, habe verschiedenste Packlisten vorliegen, bringt aber eigentlich nichts - nur noch mehr Fragen, was notwendig ist. Minimalisieren ist das Zauberwort - genau das ist ja für mich einer der Gründe mich auf diesen Weg zu machen. Mich auf das Wesentliche im Gepäck und Kopf beschränken. Also manches raus, die Wahl fällt schwer: z.B. Tauchsieder für meinen Tee - Badeanzug - RucksackSchutzsack für den Rückflug - Teller - Bandagen, anderes noch mal wiegen und etwas weniger davon einpacken und dann unterwegs Seife, Shampoo, Tempo, Sonnencreme, Müsliriegel, Teebeutel etc. nachkaufen. Diese zusätzlichen Dinge wiegen schwer, Klamotten habe ich nicht zuviel. Wiegt nun ca. 7.5kg, dazu kommt dann Wasser und Tagesration an Obst oder sonstiger Verpflegung. Die kleine Umhängetasche mit Reiseführer, Kamera, Handy und etwas Geld wiegt auch 1,5kg und die Trekkingstöcke sollen mich ja hauptsächlich stützen, also rechne ich dieses Gewicht nicht dazu.

In der Casa Paderborn habe ich telefonisch meine erste Nacht reserviert, das geht, weil ich Mitglied bei den Jakobusfreunden bin. Ich werde meinen alten Pilgerausweis mitnehmen, ist ausgestellt für 2005 ab Bonn mit dem Fahrrad, hoffe aber er wird trotzdem gelten, sonst bekomme ich sicher in Pamplona einen neuen.

Noch mal für ein Wochenende nach Holland, bei schönstem Sonnenschein mit vielen Strandspaziergängen und wenig Gartenarbeit entspannte Tage im Caravan. Bekomme von Michael einen Pilgerring geschenkt, hat er für mich in Köln anfertigen lassen. Der Ring wird mich begleiten, soll mir Kraft geben und wird uns über die Entfernung verbinden. Das nächste Mal wird Michael allein oder vielleicht auch mit einem Enkel nach Holland fahren.

Gute Wünsche der Nachbarn und auch hier soll ich später das Erlebte erzählen. Eigentlich kennt jeder jemanden, der schon mal auf dem Jakobsweg unterwegs war. Und auch hier die gleiche Frage, ja ich habe Hapes Buch gelesen, ne eigentlich habe ich es mir von ihm vorlesen lassen, bekam das Hörbuch geschenkt.  Aber auch (viele) andere Autoren haben ihre Erlebnisse auf ihrem Weg niedergeschrieben, als Buch, als Blog oder auf einer Homepage. Jeder schildert die ihm wichtigsten Dinge auf seine Art - so wie jeder den Weg auf seine Art geht.

Vielfältig ist der Jakobsweg - das Leben - mein Erleben.  

mein Pilgerring

 

 

26.03.2009 nur noch 17 Tage und der Rest von heute

Beginnt jetzt schon die Endphase? Gestern die erste Santiago - Tarte gebacken für die Damen aus der Patchworkgruppe, Freitag gibt es die zweite für die Gruppe "Carnevale di Venezia Bonn". Das Abschied nehmen beginnt. Aber auch das, ist mir ganz wichtig, alles geklärt haben, möglichst keine Unstimmigkeiten zurück lassen, Aufbruchstimmung. So wird es nun weitergehen, noch eine Woche arbeiten, mich mit Freunden treffen und mit der Familie, dann abschalten.

Die Physiotherapeuten geben sich unendliche Mühe, meinen angeknacksten Rücken zu stärken und die Entzündung aus dem Bein zu massieren. Alles wird gut. 

Alles, was mit geht ist mit Namensbändern gekennzeichnet, nicht weil ich Angst vor Diebstahl habe, ne möchte nicht diskutieren, ob es meine Sachen sind oder nicht, wird ja vieles unterwegs ähnlich aussehen.  In manchem Internetforen wird Panik verbreitet, welche Diebstahlsicherung ist die Beste. Ich werde alles "Wertvolle" an der Frau tragen, die Augen offen halten, achtsam sein und ansonsten Gottvertrauen haben. Kann ich soviel Vertrauen zulassen?

Santiago Tarte